Die neue Hochschulgruppe „Ansätze einer nachhaltigen Entwicklungszusammenarbeit in Afrika“ an der Universität Trier, die 2016 von Studierenden mehrerer Fachbereiche gegründet wurde, möchte den afrikanischen Kontinent mit seinen spezifischen Problemen nicht aus dem Blickwinkel verlieren. Es ist ihr gelungen, den luxemburgischen Außenminister Jean Asselborn am Donnerstag, 13. Juli an die Universität Trier einzuladen. Er wird um 18:30 Uhr im Hörsaal 2 (B-Gebäude) zum Thema “Migrationspolitik braucht neue Antworten – Europa und Afrika stehen vor gewaltigen Herausforderungen” sprechen. Die Afrika-Hochschulgruppe wird von Marina Heinemann (Psychologie-Studentin) und Léandre Sangwa (Jura-Student) geleitet.

Jean Asselborn hat in den letzten Jahren zu diesem Thema immer wieder in den Medien und bei den EU-Außenminister-Konferenzen klare Kante gezeigt, wenn es um die gegenwärtig in Europa und nicht zuletzt in Deutschland sehr kontrovers geführte Asyldebatte und die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Afrika ging. Diese Debatte ist noch lange nicht zu Ende. Daher ist sein Vortrag wichtig, um Wege zu finden, die aus dieser verhärteten Situation herausführen. Nicht zuletzt ist die Universität auch der Ort, wo dieser Diskurs geführt werden sollte.

Der G20 Gipfel in Hamburg hatte unter anderem auch Afrika zum Thema. Einzig Südafrika war bei diesem Gipfel als Vertreter Afrikas vertreten. Allein mit dem so euphorisch gestarteten und in den Medien verbreiteten “Marshallplan mit Afrika” wird eine dringend benötigte Kurskorrektur der deutschen Entwicklungspolitik und Entwicklungszusammenarbeit für Afrika nicht gelingen. Dieser ist zu einseitig auf Wirtschaftsinteressen ausgerichtet und geht an den realen Problemen der Menschen in Afrika völlig vorbei. Der Vortrag wird bestimmt dazu anregen, die in der Migrationsdebatte bisher zu wenig in den Blick genommenen Fluchtursachen zu thematisieren.
60 Jahre deutsche und europäische Entwicklungshilfe hat weithin versagt und muss einen Neuanfang wagen, nicht bevormundend, sondern die afrikanischen Regierungen selbst Verantwortung übernehmen zu lassen. Dies kann nur gelingen, wenn die afrikanischen Staaten mehr Reformwilligkeit zu einem Mehr an Demokratie zeigen. Wenn Hilfe in diese Richtung geht, wird Entwicklungshilfe von außen zu Veränderungen beitragen können, die dem Kontinent Afrika mehr Selbstverantwortung und Gestaltungswillen in die eigenen Kräfte gibt. Entwicklung kann nur von innen kommen. Erst dieser notwendige Paradigmenwechsel im Verständnis der westlichen Entwicklungspolitik kann zu positiven Entwicklungen in den afrikanischen Staaten beitragen und ermutigen. Vor allem die zahlenmäßig dominierende junge Bevölkerung Afrikas braucht Zuversicht in ihren eigenen Ländern, um diese nicht aus Not verlassen zu müssen.

Wer sich in diesen Diskurs gerne einschalten möchte, ist herzlich zu diesem Vortrag von Jean Asselborn eingeladen.